Franz Sales Haus · Jahresbericht 2021

Bildung

;Förderschule
;Berufskolleg
;Fort- und Weiterbildung

Individuelle Unterstützung und soziales Lernen bleiben das Herzstück des Lernens an unserer Förderschule. Dazu kommen digitale Angebote, die auch in der Ausbildung künftiger Fachkräfte am Berufskolleg eine wichtige Rolle spielen.

Franz Sales Förderschule

Miteinander lernen

Von Michael Dönhoff, Schulleiter der Franz Sales Förderschule

Den Schülerinnen und Schülern das Handwerkszeug für ein selbstbestimmtes Leben mitzugeben: Das ist das Ziel unserer Schule mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“. Dabei spielen neben fachlichen auch die sozialen Kompetenzen eine wesentliche Rolle. Durch die Pandemie waren auch 2021 besonders Kinder und Jugendliche von massiven Einschränkungen ihrer sozialen Interaktionsmöglichkeiten betroffen: Kaum Treffen mit Freunden und Gleichaltrigen, keine Feiern und Sportangebote – und im Schulalltag voneinander getrennte Lernstufen, Abstand zum Sitznachbarn und Isolation in Quarantänephasen. Angesichts dieser Belastungen war es umso wichtiger, den Schülerinnen und Schülern die dringend erforderlichen sozialen Kontakte zu ermöglichen und sie zu einer sozialen Teilhabe zu befähigen.

Dafür ist unsere Schule kreative Wege gegangen. Den „Morgenkreis“ und ein regelmäßiges Erleben des Unterrichts haben wir mit digitalen Hilfsmitteln aufrecht erhalten. Das „Hinzuschalten“ von Klassenkameraden per Tablet ist zum Alltag geworden und ermöglicht – selbst in Quarantäne – den direkten Kontakt. Dank unserer kleinen Klassen konnten die Kinder einer Jahrgangsstufe weiterhin gemeinsam an Angeboten teilnehmen. Deshalb fanden die klassenübergreifenden AGs, Lese- oder Sportangebote weiterhin statt. Beim Fußball- oder Basketballtraining war der persönliche Austausch ebenso möglich wie im Rahmen der AGs, die vielseitige Interessen abdecken. Sehr gerne arbeiten wir auch mit Partnern wie dem Berufskolleg und dem Sportverein DJK Franz Sales Haus zusammen, um neue Interaktionsmöglichkeiten zu schaffen.

Darüber hinaus hat auch die Schulsozialarbeit die Belastungen abgefedert und wichtige soziale Erfahrungen ermöglicht. Unser Schulsozialarbeiter hat mit verschiedenen Projekten für Abwechslung gesorgt. Er besucht die Schülerinnen und Schüler in den Wohngruppen und begleitet in der Schulzeit viele Sport- und Freizeitangebote. Beim Laufen, Angeln, Klettern oder Kanufahren sind die Jugendlichen körperlich gefordert, gleichzeitig bieten sich immer wieder Gelegenheiten zu Gesprächen. Dabei können auch Konflikte aus dem Schulalltag aufgearbeitet werden. In der Schule ist der Sozialarbeiter Ansprechpartner in schwierigen Situationen und bringt seine Erfahrungen auch in Gesprächen mit den Klassenteams ein. Er wirkt mit an Förderzielen und -plänen des Sozialen Lernens, die dazu dienen, die sozialen Kompetenzen auszubauen und zu festigen.

Mit großem Einsatz aller Beteiligten haben wir so unter erschwerten Bedingungen die soziale Interaktion im Schulalltag aufrecht erhalten können. Lehrkräfteteams, Schulsozialarbeiter, Freiwilligendienstleistende und Schulbegleitungen haben dafür an einem Strang gezogen. Uns allen ist aber auch wieder bewusst geworden, dass es keinen gleichberechtigten Ersatz für persönliche Begegnungen gibt, um ein gelingendes Miteinander einzuüben. Nur so lassen sich die sozialen Kompetenzen erlernen, die „später“ im Leben so grundlegend dafür sind, Teilhabechancen auch erfolgreich wahrzunehmen.

Franz Sales Förderschule

  • 106 Schülerinnen und Schüler
  • 28 Lehrkräfte
  • 1 Schulsozialarbeiter 2 Lehramtsanwärter
  • 10 Freiwilligen­dienst­leistende

kurz & kompakt

Digitale Ausstattung: Mit Hilfe des „Digitalpakts Schule“ des Bundes, Zusatzprogrammen des Landes und einiger Spendengelder konnte die Förderschule weitere Tablets für den digitalen Unterricht anschaffen. Nun stehen komplette Tablet-Koffer für ganze Klassen zur Verfügung, mit denen die Kinder den Umgang mit den Geräten, dem Internet und verschiedenen Lern-Apps einüben können.

Instrumentalunterricht Musiktherapie

Lernen mit Musik: Die positive Wirkung von Musik macht sich die Förderschule mit verschiedenen Angeboten zunutze: Eine individuelle Musiktherapie fördert kreativ und gezielt die persönliche, emotionale und motorische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Für Instrumentalunterricht, der insbesondere auch Durchhaltevermögen und Konzentration erfordert, kommt ein Lehrer der Folkwang Musikschule an die Förderschule. In der Schulband „Franz rockt“ stellen die Schülerinnen und Schüler bei Auftritten unter Beweis, was sie in regelmäßigen Proben erarbeitet haben.

Lernen mit Musik: Die positive Wirkung von Musik macht sich die Förderschule mit verschiedenen Angeboten zunutze: Eine individuelle Musiktherapie fördert kreativ und gezielt die persönliche, emotionale und motorische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Für Instrumentalunterricht, der insbesondere auch Durchhaltevermögen und Konzentration erfordert, kommt ein Lehrer der Folkwang Musikschule an die Förderschule. In der Schulband „Franz rockt“ stellen die Schülerinnen und Schüler bei Auftritten unter Beweis, was sie in regelmäßigen Proben erarbeitet haben.

Arbeitsgemeinschaften: Die AGs der Ober- und Berufspraxisstufen bieten Gelegenheit, sich konzentriert einem Thema nach eigenem Interesse zu widmen. Das Angebot ist groß: Es wird gekocht und gebacken, mit Holz, Papier oder Stoffen gearbeitet, an Fahrrädern gewerkelt, geklettert, geangelt und gepaddelt. Die Inhalte sind umfassend – so gehörte in diesem Jahr zur Angel-WG auch das Zubereiten der gefangenen Forellen und die Kanu-AG nahm am Arbeitseinsatz beim kooperierenden Kanuverein teil und knüpfte dabei neue Kontakte zu anderen Vereinsmitgliedern.

Vielseitige Projekte: Unser Schulsozialarbeiter hat mit Gruppen von Schülerinnen und Schülern gemeinsame Projekte realisiert. So sind etwa eine große Modelleisenbahn-Landschaft und eine selbstgebaute Kompost-Kiste für den Schulgarten entstanden. Eine Laufgruppe am Montagmorgen sorgt für einen bewegten und kommunikativen Einstieg in die Schulwoche.

Franz Sales Berufskolleg

Digitales Empowerment

Von Ulrike Fembeck, Schulleiterin des Franz Sales Berufskollegs

Sie sollen als Fachkräfte die selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Behinderung sichern: Die Auszubildenden des Franz Sales Berufskollegs erhalten bei uns dafür das nötige Fachwissen und viele praktische Anregungen. Verstärkt durch die Pandemie, spielt aktuell das Thema Digitalisierung eine zentrale Rolle – für das Lernen am Berufskolleg und auch mit Blick auf die Menschen mit Behinderung, die ebenfalls ein Recht auf digitale Teilhabe haben und dieses auch einfordern. Deshalb ist es unsere Aufgabe, die Auszubildenden entsprechend zu befähigen.

Im Unterricht setzten sich die Auszubildenden mit Chancen und Risiken von sozialen Medien auseinander.

Dank einer vorausschauenden Planung sowie der Förderung durch Bund und Land verfügt das Berufskolleg über eine sehr gute mediale Ausstattung: Digitale Tafeln, Videokameras und Tablets für alle Teilnehmenden stehen zur Verfügung. Für die Beschäftigung mit dem wichtigen Thema Soziale Medien konnten wir zu Beginn des Schuljahres 2021/2022 einen Lehrer einstellen, der als ehemaliger Social Media Manager viele Differenzierungskurse für die verschiedenen Bildungsgänge dazu anbieten konnte. Hier setzten sich die Teilnehmenden mit ihrer eigenen Nutzung von Social Media und mit rechtlichen Aspekten auseinander – und vor allem mit der Frage, wie sie Menschen mit Behinderung beim Umgang mit sozialen Netzwerken unterstützen können. Schließlich bietet die digitale Kontaktaufnahme viele Chancen, ist aber auch mit Risiken verbunden. Deshalb ist eine zielgruppengerechte Befähigung zu einem sicheren Umgang mit Social Media eine wichtige Grundlage – für die Auszubildenden ebenso wie für die Klientinnen und Klienten, an die sie ihr Wissen weitergeben.

Auch in den einzelnen Bildungsgängen spielen Qualifizierungen und Themen rund um digitale Möglichkeiten und eine insgesamt möglichst barrierefreie Kommunikation eine wichtige Rolle. Bei ihrem Projekt „Weihnachtsgeschichte digital“ konnten die Auszubildenden der Sozialassistenz, Schwerpunkt Heilerziehung (SAH), Erfahrungen in der Videoproduktion und im Einsatz von Leichter Sprache sammeln. Die unmittelbare positive Reaktion des „Publikums“ in der Förderschule war eine schöne Bestätigung und Motivation für die Beteiligten.

Die Auszubildenden der Heilerziehungspflege (HEP) beschäftigen sich ebenfalls intensiv mit den Möglichkeiten der Leichten Sprache, um Barrieren in der Kommunikation bestmöglich abzubauen. Entsprechende Texte und Informationen erstellen zu können, hilft den Klientinnen und Klienten sehr in ihrer Selbstständigkeit. Ein Differenzierungskurs zur Unterstützten Kommunikation (UK) gibt den Auszubildenden weitere Hilfsmittel an die Hand, um Menschen mit Behinderung ein Verstehen und Verstandenwerden zu ermöglichen.

Dass die Digitalisierung in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung angekommen ist, erleben die angehenden Fachkräfte zur Arbeits- und Berufsförderung (FAB) jeden Tag. Schon jetzt kommen unter anderem Tablets, barrierefreie Infosysteme und individuelle Assistenzsysteme zum Einsatz. In Zukunft werden die FABs sich mit Hard- und Software auskennen müssen, worauf wir uns in der Weiterbildung mit mehr digitalen Tools und eigenen Thementagen „Digitalisierung in der WfbM“ bereits eingestellt haben. Beeindruckend war es, bei einer Exkursion zu den Iserlohner Werkstätten die Interaktion zwischen Mensch und Roboter zu erleben, die die Teilhabe am Arbeitsleben auch für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf verbessert. Hier ist einiges in Bewegung, was von den Fachkräften neue Kompetenzen erfordert und gleichzeitig spannende Perspektiven bietet.

Die Digitalisierung wird uns in beiden beschrieben Dimensionen anhaltend begleiten: in der Vermittlung von Kompetenzen an die Auszubildenden ebenso wie mit Blick auf die Anwendung im Berufsalltag der Fachkräfte. Sie werden digitale Lösungen künftig immer mehr einsetzen, damit Menschen mit Behinderung in vielen Lebensbereichen teilhaben und ihren Alltag selbstständig und selbstbestimmt gestalten können.

Schulprogramm

Die Vermittlung von Medienkompetenz ist inzwischen im Schulprogramm des Berufskollegs verankert.

kurz & kompakt

Curriculum: In 2021 wurde die vollständige Aktualisierung der kompetenzorientierten Bildungspläne im Bildungsgang Sozialassistenz abgeschlossen. Das Curriculum stellt die realen Anforderungen des Berufsalltags in den Fokus und setzt auf das Lernen in praxisnahen Situationen. So sind Theorie und Praxis noch enger verzahnt.

Alternativ-Projekt: Von der alljährlichen gemeinsamen Projektwoche mit der Förderschule profitieren beide Seiten gleichermaßen. Da persönliche Treffen nicht möglich waren, produzierten die angehenden Sozialassistenten ein Video zur Weihnachtsgeschichte in Leichter Sprache. Der Film wurde in der Förderschule begeistert aufgenommen und führte zu einem regen Austausch mit den Schulkindern.

Neuer Bildungsgang: Das Berufskolleg hat den Start der zweijährigen Berufsfachschule für Gesundheit und Soziales vorbereitet. Der neue Bildungsgang bietet jungen Menschen mit Fachoberschulreife ab dem Sommer 2022 Einblicke in soziale Arbeitsfelder und den Erwerb der Fachhochschulreife als Voraussetzung für ein Studium an.

Aufholen nach Corona: Verschiedene Aktivitäten hat das NRW-Aktionsprogramm „Ankommen und Aufholen nach Corona“ möglich gemacht. Das zusätzliche Budget wurde unter anderem zur Anschaffung von Unterrichtsmaterial eingesetzt, das ein kooperatives Miteinander fördert. Auch Ausflüge und ein erlebnispädagogischer Tag fanden statt und haben den Teamgeist gestärkt.

Praktische Erfahrungen: Die Fachkräfte zur Arbeits- und Berufsförderung (FAB) sind Spezialisten für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben. Mit ihren Praxis-Projekten in den Werkstätten sammeln sie Erfahrungen und verbessern dabei den Werkstattalltag für die Beschäftigten, beispielsweise mit einem Ergonomie-Projekt, das 2021 umgesetzt wurde. In diesem Jahr konnten auch wieder Hospitationen stattfinden, bei denen sich die Teilnehmenden gegenseitig ihre Werkstätten vorstellen und so über den eigenen Tellerrand hinausschauen können.

Bildungsgänge auf einen Blick

Heilerziehungspflege (HEP): 154 Teilnehmende

Sozialassistenz, Schwerpunkt Heilerziehung (SAH): 42 Teilnehmende

Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung (FAB): 67 Teilnehmende

Gesamt: 263 Teilnehmende

Fort- und Weiterbildung

Digitale Teilhabe: Die Stärkung der digitalen Teilhabe war auch im Fortbildungsbereich ein zentrales Thema. Klienten aus mehreren Gruppen der Heimstatt Engelbert nahmen am Kurs „Qualifizierter Umgang mit digitalen Medien“ teil. Neben dem Bedienen der Technik ging es mit Aspekten wie Cybermobbing um die Vermittlung von Medienkompetenz. Die Teilnehmenden arbeiteten an eigenen Gruppen-Notebooks, die mit Mitteln aus dem Förderprogramm „Internet für alle“ der Aktion Mensch angeschafft wurden. Parallel zu diesem Angebot wurden Mitarbeitende als Mentoren geschult, um die Klienten langfristig bei der Nutzung digitaler Medien zu unterstützen.

Leitungskräfte: Im Herbst startete die Neuauflage der Qualifizierung für Leitungskräfte im Verbund des Franz Sales Hauses (LeiF). Dazu gehören verschiedene Module in mehreren Gruppen sowie berufsbegleitende „1:1-Coachings“. Im Juni 2022 ist die Qualifizierung abgeschlossen.

Weiterblättern zu: